
Foto: © Archiv Erich Huber, Adliswil
Bericht über das Geschäftsjahr 1944
Das Jahr 1944 war das eigentliche Baujahr der Genossenschaft. An vier verschiedenen Orten wurden Bauvorhaben durchgeführt, die grösstenteils auch im gleichen Jahr vollendet wurden. Einzig das Projekt für sieben Einfamilienhäuser an der Feldimoosstrasse in Rüschlikon gelangte wegen der uns unverständlichen, zögernden Einstellung der dortigen Gemeindebehörden nicht zur Ausführung. Sämtliche Voraussetzungen für die erfolgreiche Durchführung dieser Siedlung waren vorhanden. Die Pläne waren fertiggestellt, die Finanzierung gelöst und auf unsere Inserate erhielten wir zahlreiche interessierte Anfragen. 20 ernsthafte Interessenten, die als Käufer für diese Häuser in Frage kamen, haben uns immer wieder gefragt: wann endlich kann mit dem Bezug der Häuser gerechnet werden. Trotz unserer mehrfachen, energischen Vorstellungen, hat uns die Gemeindebehörde in Rüschlikon immer wieder mit der Begründung vertröstet, dass der Bebauungsplan für dieses Gebiet noch nicht fertiggestellt sei. Es wäre wirklich wünschenswert, wenn die Bewilligungder mit Subventionen zu erstellenden Bauten nicht ausschliesslich von den einzelnen Gemeinden abhängen würde. Leider gibt der Bund und der Kanton nur Beiträge, sofern die Gemeinde ihrerseits einen Betrag zusichert. Ist die Gemeinde an subventionierten Bauten uninteressiert, so unterbleibt jede Förderung zur Behebung der Wohnungsnot.
Weit zufriedenstellender entwickelte sich das Bauvorhaben der drei Einfamilienhäuser an der Tiefackerstrasse in Adliswil, die mit einem Monat Verspätung am 1. September bzw. 1. Oktober 1944 bezugsbereit waren. Hier, wie auch bei den übrigen Bauten, hat unser Herr Gemeindepräsident Huber von Adliswil in verdankenswerter Weise mitgeholfen, die Schwierigkeiten – und es waren derer nicht wenig – die sich der Verwirklichung dieses Projektes in den Weg stellten, zu überbrücken. Am 23. November 1944 besichtigte dann eine Delegation des Gemeinderates zusammen mit einem Vertreter der Regierung, die zweckmässigen, architektonisch einwandfrei und ansprechend gelösten Bauten.Die Baukosten Tiefackerstrasse kamen gemäss Kostenvoranschlag auf CHF 510’000.– zu stehen. Pläne und Bauleitung machten die Architekten B. & E. Gerwer in Zürich.
Weniger programmgemäss verlief die Bauerei der 3 Einfamilienhäuser an der Ryffertstrasse in Adliswil. Diese, ohne Subventionen erstellten 5 Zimmer-Einfamilienhäuser hätten am 1. Oktober 1944 bezugsbereit sein sollen. Der erste Mieter konnte dann erst Mitte November einziehen. Die Verzögerung in der Fertigstellung dieser Häuser wurde durch verschiedene Umstände bedingt. Einmal konnten die daran beteiligten Handwerker die angesetzten Fristen nicht einhalten. Andererseits waren die im gegebenen Moment benötigten Materialien nicht erhältlich. Die Baukosten dieser drei Häuser sind mit CHF 150’000.– veranschlagt. Architekten B. & E. Gerwer.
Die im November 1943 begonnene Bauten an der alten Landstrasse in Rüschlikon wurden im Juli 1944 fertiggestellt. Das komfortabel eingerichtete Mehrfamilienhaus war bis Ende Jahr voll vermietet und wirft inkl. Garagen eine Bruttorendite von 6,34% ab. Die Baukosten beliefen sich auf CHF 280’000.–. Pläne und Bauleitung B. & E. Gerwer.
Erfreulich entwickelte sich das Bauvorhaben für die sieben Einfamilienhäuser an der vorderen Grundstrasse in Langnau a.A.. Ende Juni 1944 wurde mit dem Aushub der ersten drei Häuser begonnen. Die Aufrichte dieser drei Häuser anfangs September 1944 war getragen von einer zielbewussten Zusammenarbeit zwischen Gemeindebehörde, Unternehmer und Bauherrn. Infolge der Schlechtwetterperiode und Mangel an Arbeitskräften bei den Unternehmern war es nicht möglich, die Häuser auf den vorgesehenen Termin per Ende September den Mietern zu übergeben. Der Baubeginn für die 2. Etappe von vier Häusern fiel auf den 30. Oktober 1944. Diese Häuser sollten auf Frühjahr 1945 fertiggestellt sein. Die Baukosten der sieben 5 Zimmer-Einfamilienhäuser sind mit CHF 240’000.– veranschlagt. Ausführende Architekten: B. & E. Gerwer in Zürich.
Drei andere Bauvorhaben in Pfäffikon Zürich, Rüschlikon und Zürich konnten aus verschiedenen Gründen nicht realisiert werden.
Tätigkeit der Geschäftsleitung Vorstand pro 1944
| Präsident | Hermann Bender, Zürich |
| Aktuar | Max Fischer, Rüschlikon |
| Kassier | Eugen Gerwer, Zürich |
| Kontrollstelle | Hch. Winkler, Adliswil |
| Walter Schärer, Rüschlikon | |
| Vertretung der Regierung | H. Huber, Gemeindepräsident, Adliswil |
Mitgliederzahl pro Ende 1944
Der Vorstand hielt im Jahre 1944 33 Vollsitzungen ab. Hinzu kommen 4 ausserordentliche Versammlungen, sowie unzählige Verhandlungen mit Behörden, Architekten, Unternehmern, Mietern, Bauinteressenten und leider auch Rechtsanwälten. Alle damit verbundenen Arbeiten, inbegriffen der umfangreiche, z.T. auch unerfreuliche Korrespondenz wurde nebenamtlich vom Vorstand erledigt. Wir begnügen uns mit diesem summarischen Bericht, weil wir wissen, dass nur diejenigen, die selbst schon mit der Bauerei zu tun hatten, im Bilde sind, wie viel produktive und auch unproduktive Arbeit geleistet werden muss, bis ein Haus bezugsbereit ist.
Finanzielles
Der anfangs Jahr mit dem Budget veranschlagte Verlustsaldo (inkl. Verlustsaldo des Vorjahres) von Fr. 4’500.- stimmt mit der effektiven Jahresrechnung bis auf einige Franken überein. Das ist ein Zeichen, dass mit den anvertrauten Geldern richtig disponiert wurde. Es wird gemäss Budget für das Jahr 1945 möglich sein, diesen Verlust im kommenden Jahr (1945) auszugleichen. Voraussichtlich kann erst im Jahre 1946 mit einer Verzinsung der Anteilscheine gerechnet werden. Es wäre in diesem Zusammenhang wünschenswert, wenn die Genossenschafter durch vermehrte Zeichnung von Anteilscheinen dazu beitragen würden, die Genossenschaft finanziell zu stärken. Dabei hat es die Meinung, dass der dadurch verfügbare Betrag zur sofortigen Anschaffung von Heizmaterial für den kommenden Winter verwendet würde. Es sei hierzu noch bemerkt, dass andere Baugenossenschaften, wie z. B. die Genossenschaft Albis, von Ihren Mietern die Zeichnung von einem Anteilschein in der Höhe von Fr. 1’000.- verlangen, während dem unsere Mitglieder nur einen Anteilschein von Fr. 100.- übernehmen mussten.
Schlusswort
Überblicken wir das Geschäftsjahr 1944, so stellen wir fest, dass unsere relativ kleine Baugenossenschaft für ca. Fr. 1’200’000.– gebaut hat. Für diese ansehnliche Summe wurde Arbeit und Verdienst geschaffen. Als Produkt entstanden zweckmässige, gesunde und neuzeitliche Wohnungen, die mithalfen, der Wohnungsnot entgegen zu steuern. Die Voraussetzungen für eine normale Bauerei waren im Berichtsjahr allerdings nicht gerade günstig. Es waren Schwierigkeiten zu überwinden, die nicht vorausgesehen werden konnten. Ferner verzögerten die zahlreichen Militärdiensteinberufungen bei den Unternehmern die Bautermine. Alle diese Schwierigkeiten waren kriegsbedingt. Doch dürfen wir zufrieden sein, dass es in unseren, vom Krieg verschonten Lande möglich war, überhaupt gesunde und menschenwürdige Wohngelegenheiten zu schaffen. Und vergessen wir auch nicht, dass die Unannehmlichkeiten, die wir in Kauf nehmen mussten, verglichen mit den Verhältnissen der kriegsführenden Länder sehr klein und unerheblich erscheinen.
Zürich, den 28. April 1945
Der Präsident: H. Bender


